Die Lebenswelt Arbeitsplatz optimieren

Auch der beste Cappuccino der Welt bindet Mitarbeiter nicht langfristig an ihren Arbeitgeber und macht schon lange keine Employee Experience aus. So oder so ähnlich heißt es im Podcast „Fearless Experience – Interview mit Gitta Hannig über Employee Experience, Loyalitäten, Fachkräftemangel …“. Begriffe wie Customer Experience – die Erfahrung der Kunden – und User Experience – die Erfahrungen der Anwender – sind bereits weitläufig bekannt. Employee Experience, also die Erfahrung der Mitarbeiter, ist jedoch ein recht neuer Begriff in der HR-Welt. Wir erklären, welche Vorteile eine positive Employee Experience birgt.

 

Wichtigkeit von Employee Experience

Laut einer Deloitte-Studie bewerten acht von zehn Führungskräften die Employee Experience als ein wichtiges Anliegen, 42 Prozent halten das Konzept für sehr wichtig und die anderen 38 Prozent stufen sie als wichtig ein. Allerdings sind nur 20 Prozent der Meinung, dass ihr Unternehmen genug unternimmt, um eine erfolgreiche Employee Experience zu schaffen. Aber was können wir uns unter Employee Experience eigentlich genau vorstellen?


Employee Experience = Mitarbeiterzufriedenheit?

Employee Experience sollte nicht verwechselt oder gar gleichgesetzt werden mit:

  • Mitarbeiterzufriedenheit: Manche Maßnahmen stellen Kollegen zufrieden, führen aber nicht automatisch zu einer erfolgreichen Employee Experience
  • übertriebenen HR-Taktiken: Employee Experience bezieht im Gegenzug zu üblichen HR-Maßnahmen alle Mitarbeiter und auch die Führungskräfte mit ein.
  • einem Überangebot von Zusatzleistungen: Benefits wie beispielsweise ein Jobticket stellen kein Alleinstellungsmerkmal von Employee Experience dar. Sie sind vielmehr ein netter Zusatz. 
  • der Aussage, Mitarbeiter wie Kunden zu behandeln: Mitarbeiter sind zwar gegebenenfalls auch Kunden des Unternehmens, haben aber in ihrem Job ganz andere Bedürfnisse und sind mitunter schwer zu motivieren
  • Mitarbeiter-Engagement: Meint die emotionale Verbindung, die ein Mitarbeiter gegenüber seinem Arbeitsplatz empfindet. Employee Experience spricht im Gegenzug dazu alle Elemente an, die zur Motivation und zum Engagement der Mitarbeiter beitragen

Die Arbeit als „Erlebnis“

Ziel einer guten Employee Experience ist es, ein möglichst inspirierendes Arbeitserlebnis für die Mitarbeiter zu schaffen. Dieses wirkt sich wiederum direkt auf deren Motivation und Engagement für das Unternehmen aus. Unter dem Arbeitserlebnis kann die Summe der Momente, Interaktionen und Eindrücke verstanden werden, die den Mitarbeiter innerhalb eines bestimmten Zeitraumes beeinflussen. Viele einzelne Elemente machen dabei das Arbeitserlebnis aus. Diese müssen ständig beobachtet und gegebenenfalls optimiert werden, damit sie sich in eine positive Richtung entwickeln und langfristig auf den Unternehmenserfolg einzahlen. Dies geschieht zum Beispiel durch 

  • eine Steigerung des Umsatzes
  • die Verbesserung der Kundenzufriedenheit und
  • die Wahrnehmung als innovatives Unternehmen. 

Employee Experience anzuwenden bedeutet also:  

  • zu sehen, was Angestellte benötigen und sie dabei unterstützen, ihre Wünsche zu erfüllen
  • sich zu bemühen, das Arbeitsumfeld in Gänze zu verstehen und zu lenken
  • sich als Führungskraft, HR-Verantwortlicher oder Manager in die Lage zu versetzen, die Mitarbeiter zu motivieren, mehr Engagement zu etablieren und positive Gefühle gegenüber dem Unternehmen hervorzurufen – dies kann wiederum zu einer gesteigerten Kreativität, Produktivität und auch zu einer stärkeren Mitarbeiterbindung führen.

Die Employee Experience greifbar machen

Zur Beobachtung und Bewertung des Mitarbeiter-Erlebnisses können die vier P’s aus dem Marketing abgewandelt werden: 

  • People: Betrachten Sie das Verhältnis innerhalb des Teams, die Beziehung zu den Vorgesetzten, die Interaktion mit Kunden und Lieferanten.
  • Place: Analysieren Sie den Arbeitsort, Arbeitspositionen wie flexible Zeit-Modelle und die Work-Life-Balance.
  • Product: Wie sieht die Arbeit an sich aus? Was ist der Reiz? Inwiefern stimmen Mitarbeiter-Skills und Arbeitsaufgaben überein? 
  • Process: Schauen Sie auf Regeln und Normen des Arbeitsprozesses, der Belohnung oder Entlohnung dessen sowie auf das Komplexitäts-Level der verwendeten Technologien mit den Wünschen des Mitarbeiters

Haben Sie die Arbeitswelt der Kollegen analysiert, gilt es, Lücken aufzudecken und Lösungen für Probleme zu erarbeiten. Kurzfristig angelegte Maßnahmen steigern dabei die Mitarbeiter-Zufriedenheit oft nur temporär. Eine gute Employee Experience richtet sich daher an das gesamte System im Unternehmen und Maßnahmen müssen immer wieder überprüft und kontrolliert werden, um langfristig wirken zu können. Indem sie das Arbeitsumfeld richtig analysieren und es gezielt aufbauen, können Unternehmenslenker Einfluss auf die Mitarbeiterbindung nehmen. Ist die Unternehmenskultur grundsätzlich positiv, kann der Employer Experience-Ansatz als Dünger funktionieren für engagierte und loyale Mitarbeiter, eine gesteigerte Produktivität und nachhaltiges Wachstum.


5 Schritte zur besseren Mitarbeitererfahrung

1. Definieren Sie den perfekten Mitarbeiter und verstehen Sie, wer er ist, was er fühlt und wie er denkt – erst danach können Sie planen, wie Sie mit ihm agieren und Beziehungen pflegen möchten.
2. Überlegen Sie, was diesen idealen Mitarbeiter antreibt. Was macht ihn wertvoll? Wie geht er Herausforderungen an, was sind seine Leidenschaften – in diesem Sinne können Strukturen hergestellt werden, welche den Mitarbeiter begeistern und den Startschuss für ein großartiges Arbeitsleben ergeben.
3. Denken Sie immer einen Schritt voraus – wenn Sie im Vorfeld nachvollziehen können, welche Komplikationen für Mitarbeiter entstehen könnten, lassen sich diese zielgerichtet verhindern.
4. Erstellen Sie ein Arbeitsmodell im Sinne des Employees – Überprüfen Sie es im Team auf Praktikabilität, um zu sehen, ob es sich noch weiter verbessern lässt.